← Zurück zum Blog
🧾 Steuernvor 2 Tagen8 min

Steuererklärung für Anfänger: So holst du dir dein Geld zurück

Steuererklärung. Allein das Wort fühlt sich an wie ein Aktenordner, der dich böse anschaut. Aber hier kommt der Plottwist: Für die meisten Angestellten ist sie kein Strafzettel, sondern eher ein vergessener Geldschein in der Jackentasche. Im Schnitt bekommen Leute, die abgeben, über 1.000 € zurück. Lass uns das mal entspannt durchgehen. 💸

Muss ich das überhaupt machen?

Gute Frage – und die Antwort überrascht viele: Wenn du ganz normal angestellt bist und nur einen Arbeitgeber hast, bist du oft gar nicht verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Du darfst aber freiwillig. Und genau das lohnt sich fast immer.

Eine Pflicht zur Abgabe hast du z.B., wenn du nebenbei selbstständig was dazuverdienst, Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeiter- oder Elterngeld über 410 € bezogen hast, mehrere Jobs gleichzeitig hattest oder als Paar die Steuerklassen-Kombi 3/5 nutzt. In dem Fall: ranhalten, sonst gibt's Ärger mit dem Finanzamt.

🎁Warum kriegst du überhaupt Geld zurück?

Dein Arbeitgeber zieht dir jeden Monat Lohnsteuer ab – auf Basis einer Schätzung. Diese Schätzung ist oft zu hoch, weil sie z.B. deine Fahrtkosten oder Homeoffice-Tage nicht kennt. Mit der Steuererklärung sagst du dem Finanzamt: "Hey, ich hatte diese Ausgaben" – und holst dir die zu viel gezahlte Steuer zurück.

Was du dafür brauchst

  • Deine Steuer-Identifikationsnummer (11 Ziffern, steht auf jeder Lohnabrechnung und im Brief vom Bundeszentralamt für Steuern).
  • Die Lohnsteuerbescheinigung von deinem Arbeitgeber (kommt meist am Jahresanfang).
  • Deine IBAN – damit das Geld auch ankommt.
  • Belege für Sachen, die du absetzen willst (Quittungen, Rechnungen). Aufheben reicht – du musst sie nicht mehr automatisch mitschicken.
🖥️ELSTER vs. Steuer-Apps

ELSTER ist das offizielle Tool vom Finanzamt – komplett kostenlos, aber etwas trocken und behördig. Steuer-Apps (z.B. WISO, Taxfix, Steuerbot) führen dich mit einfachen Fragen durch und sind anfängerfreundlicher, kosten aber meistens etwas (oft 25–40 €). Für deine allererste Erklärung kann so eine App den Stress halbieren. Beides ist legit – nimm, was sich für dich machbar anfühlt.

📱Taxfix
ANZEIGE

Steuererklärung per App — in unter 30 Minuten

Taxfix führt dich mit einfachen Ja/Nein-Fragen durch die gesamte Steuererklärung. Kein Vorwissen nötig, du zahlst nur bei Abgabe. Im Schnitt holen Nutzer über 1.000 € zurück. Perfekt für die allererste Erklärung.

Kostenlos startenab 39,99 € bei Abgabe
💻WISO Steuer
ANZEIGE

Der Klassiker für Desktop & Browser

WISO Steuer ist die beliebteste Steuersoftware Deutschlands — mit automatischem Belegabruf, Steuertipps und Plausibilitätsprüfung. Auch für komplexere Fälle (Nebenjob, Vermietung) gut geeignet.

Jetzt testenab 35,99 €

Was du absetzen kannst (ohne BWL-Studium)

Das hier ist der spannende Teil – die Sachen, die deine Erstattung nach oben treiben. Es gibt zwei große Töpfe: Werbungskosten (alles, was mit deinem Job zu tun hat) und Sonderausgaben (z.B. bestimmte Versicherungen).

Bei den Werbungskosten gibt's einen netten Trick: Das Finanzamt rechnet dir automatisch 1.230 € als Pauschale an, ganz ohne Nachweise. Erst wenn deine echten Job-Ausgaben darüber liegen, musst du sie einzeln auflisten. Diese Marke knackst du schneller, als du denkst:

  • Arbeitsweg (Pendlerpauschale): Ab 2026 gibt's einheitlich 38 Cent pro Kilometer – und zwar ab dem ersten Kilometer. Bei 220 Arbeitstagen und 15 km Arbeitsweg sind das schon über 1.250 €. Allein damit ist die Pauschale meist gesprengt.
  • Homeoffice: Pro Tag im Homeoffice gibt's 6 €, maximal 1.260 € im Jahr. Kein eigenes Arbeitszimmer nötig – Küchentisch zählt auch.
  • Arbeitsmittel: Laptop, Schreibtischstuhl, Fachbücher, Software – wenn du sie für den Job nutzt, absetzbar.
  • Bewerbungen & Fortbildungen: Kurse, Seminare, Bewerbungsfotos, Fahrten zu Vorstellungsgesprächen.
  • Berufliche Versicherungen & Beiträge: z.B. Gewerkschaftsbeiträge oder eine Berufshaftpflicht.

Dazu kommen haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerker: Hast du jemanden für Putzen, Gartenarbeit oder Reparaturen bezahlt (per Überweisung, nicht bar!), kannst du einen Teil der Lohnkosten direkt von der Steuer abziehen. Auch deine Nebenkostenabrechnung versteckt hier oft absetzbare Posten – Augen auf.

Schritt für Schritt

  1. 1Tool wählen – ELSTER (kostenlos) oder eine Steuer-App.
  2. 2Account anlegen. Bei ELSTER brauchst du ein Zertifikat, das per Post kommt – das dauert ein paar Tage, also nicht auf den letzten Drücker starten.
  3. 3Stammdaten eintragen: Name, Steuer-ID, IBAN, Beruf.
  4. 4Einkommen eintragen – die meisten Daten zieht das Finanzamt heute schon automatisch (Stichwort "vorausgefüllte Steuererklärung"). Lohnsteuerbescheinigung trotzdem griffbereit halten.
  5. 5Ausgaben eintragen: Fahrtweg, Homeoffice-Tage, Arbeitsmittel, Versicherungen.
  6. 6Plausibilität prüfen – die meisten Tools zeigen dir vorab, wie viel du voraussichtlich zurückbekommst. 👀
  7. 7Absenden. Und dann: warten. Der Bescheid kommt meist in ein paar Wochen.

Die Fristen (wichtig!)

Hier wird's konkret, also kurz aufpassen:

  • Pflicht-Abgabe: bis zum 31. Juli des Folgejahres. Für das Steuerjahr 2025 also bis 31. Juli 2026. Mit Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein verlängert sich das automatisch.
  • Freiwillige Abgabe: Du hast vier Jahre Zeit. Eine Erklärung fürs Jahr 2025 kannst du also noch bis Ende 2029 einreichen. Heißt im Klartext: Auch alte Jahre, die du nie gemacht hast, kannst du nachholen und dir das Geld rückwirkend holen.
„Ich mach das nächstes Jahr" ist der teuerste Satz der deutschen Sprache. Jedes Jahr ohne Abgabe ist potenziell ein vierstelliger Betrag, der einfach beim Staat liegen bleibt.

Anfänger-Fehler, die du dir sparen kannst

  • Belege wegwerfen. Du musst sie zwar nicht mehr automatisch einschicken – aber das Finanzamt kann sie nachfragen. Also: sammeln (ein Schuhkarton oder ein Foto-Ordner am Handy reicht).
  • Homeoffice-Tage nicht zählen. Viele vergessen sie komplett. Trag dir die Tage übers Jahr grob mit.
  • Angst vor einer Nachzahlung. Bei der freiwilligen Abgabe gilt: Sollte ausnahmsweise eine Nachzahlung rauskommen, kannst du die Erklärung einfach zurückziehen. Kein Risiko.
  • Aufschieben bis zur Deadline. Das ELSTER-Zertifikat braucht Vorlauf – fang lieber ein paar Wochen früher an.

Und das war's eigentlich auch schon. Beim ersten Mal fühlt sich's nach viel an, aber spätestens beim zweiten Mal ist es ein entspannter Nachmittag mit Kaffee. Und am Ende steht im besten Fall eine vierstellige Zahl auf deinem Konto, die vorher nur rumlag. 🫶

* Einige Links in diesem Artikel sind Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst oder abschließt, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. So finanzieren wir heykeinplan und können dir weiterhin kostenlose Inhalte bieten.

Mehr Adulting gefällig? 🫶

Alle Artikel ansehen →
⚠️

Keine Finanzberatung. Die Inhalte auf heykeinplan.de dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Unterhaltung. Sie stellen keine Anlageberatung, Steuerberatung oder sonstige fachliche Beratung dar. Für individuelle Fragen wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.